Ich wollte einmal ausprobieren, ob mir die künstlichen Intelligenzen dabei helfen können, unter den vielen Wahlbewerbern diejenigen herauszufinden, welche "meine" Interessen vermutlich gut vertreten können. Hierzu habe ich vier führenden KI-Systemen denselben Prompt gegeben und die damit erstellten Listen von jeweils 20 Top-Kandidaten verglichen.
Am Ende kamen vier KIs auf insgesamt 57 Kandidaten, d.h. eine gewisse Überlappung gab es schon (sonst wären es ja 80 Kandidaten gewesen), aber eben auch keine komplette Übereinstimmung.
Auf die einzelnen Kandidaten möchte ich hier nicht eingehen, außer dass sie vieles gemeinsam haben (per Definition): sie mussten mitten im Leben stehen, keiner staatlichen Beschäftigung nachgehen (Privatwirtschaft) und eine gewisse Nähe zu Technologie-Themen haben. Meine Einstellung ist, dass viele Probleme, die heute sichtbar sind, technologisch gelöst werden können und deshalb sollte man offen für solche Lösungen sein.
Unten findet ihr nun die Meta-Analyse der Ergebnisse (wiederum neutral erstellt durch ChatGPT - durch mich aber auch manuell verifiziert):
Analyse der KI‑Wahlempfehlungen für
die Kommunalwahl Augsburg 2026
Die Website interaktivierung.net
zeigt vier unabhängige KI‑Auswertungen – Grok, Gemini (Google), Mistral
und ChatGPT – zu Kandidaten der Kommunalwahl in Augsburg 2026. Die
KIs erhielten denselben Prompt: Sie sollten aus der amtlichen Zulassungsliste
Kandidaten aus der freien Wirtschaft im Alter von 31 bis 59 Jahren
auswählen. Die Auswahlkriterien waren technischer oder wirtschaftlicher
Hintergrund und öffentlich belegbare Aussagen zu Digitalisierung,
Tech‑Affinität und wirtschaftlicher Dynamik. Die Kandidatenlisten sind keine
Empfehlungen des Autors, sondern zeigen, wie verschiedene KIs filtern[1].
Aus den vier Listen wurde eine
deduplizierte Gesamttabelle erstellt, aus der sich ableiten lässt, wie viele
Kandidaten aus jeder Partei von den jeweiligen KIs vorgeschlagen wurden. Die
folgende Auswertung beleuchtet, welche Parteien jede KI in ihrer Auswahl
betont.
ChatGPT
Kontext und Methodik
ChatGPT konnte aus
rechtlichen Gründen keine direkte Wahlempfehlung abgeben. Stattdessen stellte
es eine faktenbasierte Shortlist von 20 Kandidaten zusammen. In der
Einleitung erklärt es, dass es nur amtliche Fakten nutzt und keine
persönlichen Merkmale wie Aussehen oder sexuelle Orientierung bewertet[2]. Es filterte nach den
Parteien CSU, Freie Wähler, AfD, SPD und FDP/Pro Augsburg und achtete
darauf, dass die Berufe aus der freien Wirtschaft stammen[3].
Parteiverteilung
|
Partei |
Anzahl in der
ChatGPT‑Liste |
|
AfD |
4 Kandidaten |
|
Freie Wähler |
5 Kandidaten |
|
CSU |
5 Kandidaten |
|
FDP/Pro Augsburg |
4 Kandidaten |
|
SPD |
3 Kandidaten |
|
Grüne /Sonstige |
0 Kandidaten |
ChatGPTs Liste deckte alle
großen Parteien außer den Grünen ab. Sie enthielt mehrere Kandidaten aus der
liberal‑wirtschaftsnahen FDP/Pro Augsburg, z. B. Dr. Johannes Warbeck,
Matthias Laumeyer und Gordon Scherwinsky[4]. Auch die CSU war mit fünf
Kandidaten vertreten, darunter Christos Kislinger und Benjamin Kramer[5]. Freie Wähler
stellten fünf Kandidaten wie Florian Sandner und Enis Selimaj[6]. Für die AfD listete
ChatGPT vier Bewerber, etwa Steffen Müller und Heiko Schmid[7]. SPD‑Vertreter
(Peter Gebhard, Thomas Makkos, Roman Ligotski) waren mit drei
Plätzen am wenigsten vertreten[8].
Interpretation: ChatGPT verteilte seine Auswahl relativ ausgewogen auf CSU,
Freie Wähler, AfD und FDP/Pro Augsburg, während die SPD und
grüne/sonstige Listen kaum berücksichtigt wurden. Das deutet darauf hin, dass
die faktenbasierten Filter – Wirtschaftsberuf und Tech‑Bezug – vor allem
Kandidaten aus wirtschaftsliberalen Parteien hervorbrachten. Grüne und sonstige
Listen, die häufig Umwelt‑ oder Verwaltungsberufe betonen, fielen durch das
Raster.
Gemini
(Google)
Kontext und Methodik
Gemini stellte unter
dem Titel „Top‑20 Macher‑Liste“ eine Liste vor, in der es Kandidaten zwischen
31 und 59 Jahren auswählt, die wirtschaftliche Dynamik in den Stadtrat
bringen sollen[9]. Die Liste betont
IT‑Prozesse, Digitalisierung und wirtschaftliche Expertise und ordnet jedem
Kandidaten einen „Best match“‑Kommentar zu[10].
Parteiverteilung
|
Partei |
Anzahl in der
Gemini‑Liste |
|
AfD |
6 Kandidaten |
|
CSU |
6 Kandidaten |
|
Freie Wähler |
3 Kandidaten |
|
FDP (FDP/Pro Augsburg) |
2 Kandidaten |
|
SPD |
0 Kandidaten |
|
Grüne /Sonstige |
2 Kandidaten |
Geminis Liste wird von
CSU‑ und AfD‑Kandidaten dominiert. Beispiele sind Aaron Rudolf, Marcel Escher,
Igor Đorđević und Benjamin Kramer von der CSU sowie Heiko Schmid,
Steffen Müller, Philipp Knothe und Jürgen Jordan
von der AfD[11][12]. Es führt auch mehrere
Unternehmer der Freien Wähler und zwei Grüne (z. B. Egon Stamp
und Daniel Tröster) auf[13]. SPD‑Kandidaten fehlen
vollständig.
Interpretation: Geminis Fokus auf wirtschaftliche Macher und Tech‑Optimisten führt zu
einer starken Präsenz konservativer (CSU) und rechtspopulistischer (AfD)
Kandidaten. SPD‑Vertreter scheinen aufgrund des Kriteriums „freie Wirtschaft“
außen vor zu bleiben; dafür erscheinen wenige grüne Kandidaten, die als
IT‑Leiter bzw. Geschäftsführer im nachhaltigen Bereich vorgestellt werden[13].
Grok
(XAI/Elon Musk)
Kontext und Methodik
Die Grok‑Sektion
präsentiert über 30 ausführliche Dossiers. Die Texte stellen die Kandidaten oft
als IT‑ oder Digitalexperten dar und kommentieren ihre Eignung mit
Anspielungen auf Effizienz und „Systems statt Ziele“[14]. In den Dossiers
wird betont, wie jeder Kandidat Digitalisierung, Robotik oder Automatisierung
voranbringen kann, und häufig auf Zitate des Tech‑Autors Scott Adams
verwiesen.
Parteiverteilung
|
Partei |
Anzahl in der
Grok‑Liste |
|
FDP/Pro Augsburg |
5 Kandidaten |
|
AfD |
4 Kandidaten |
|
Freie Wähler |
4 Kandidaten |
|
SPD |
4 Kandidaten |
|
CSU |
3 Kandidaten |
|
Grüne /Sonstige |
0 Kandidaten |
Grok listet unter anderem
Aaron Rudolf (CSU) und Matthias Laumeyer
(FDP/Pro Augsburg)[15], Gordon Scherwinsky
(FDP/Pro Augsburg)[16] sowie Florian Sandner
(Freie Wähler) und Christian Nitsche (FDP/Pro Augsburg)【16397171153319†L112-L178】. Die Dossiers rücken auch SPD‑Politiker wie Dirk Wurm
oder Ralf Neugschwender ins Rampenlicht. Im Vergleich zu anderen
KIs zeigt Grok eine relativ ausgewogene Verteilung über die großen Parteien,
mit einem leichten Schwerpunkt auf FDP/Pro Augsburg.
Interpretation: Grok achtet stark auf technische Expertise und Digitalisierung, was
Kandidaten aus wirtschaftsliberalen (FDP/Pro Augsburg) und
konservativ‑bürgerlichen Listen (CSU, Freie Wähler) begünstigt. Dennoch
erscheinen auch SPD‑Vertreter, wenn sie Erfahrung mit IT‑Management oder
Digitalisierung vorweisen. Grüne/sonstige Listen spielen in den Grok‑Dossiers
keine Rolle, möglicherweise weil der Prompt auf „freie Wirtschaft“ und
„Tech‑Optimismus“ fokussiert und damit typisch grüne Themen wie Nachhaltigkeit
weniger beachtet.
Mistral
Kontext und Methodik
Die
Mistral‑Auswertung stammt von einem europäischen KI‑Anbieter. Sie beschreibt
eine „Top‑20 Macher‑Liste“ mit Priorität auf Digitalisierung,
Automatisierung und Start‑up‑Förderung[1]. Die Liste umfasst
auch kleinere Listen wie WSA, Volt, dieBasis und WfD und ist damit breiter
gefächert als die der anderen KIs.
Parteiverteilung
|
Partei |
Anzahl in der
Mistral‑Liste |
|
Freie Wähler |
6 Kandidaten |
|
Grüne /Sonstige |
6 Kandidaten |
|
AfD |
4 Kandidaten |
|
SPD |
2 Kandidaten |
|
CSU |
1 Kandidat |
|
FDP/Pro Augsburg |
1 Kandidat |
In der Mistral‑Liste
tauchen neben bekannten Parteien auch kleinere Listen auf. Sie nennt u. a. Helmut Wiedemann
(WSA), Thorsten Frank (Volt), Peter Knörzer (dieBasis)
und Peter Högg (WfD)[17]. Mistral honoriert damit
alternative oder grüne‑nahe Kandidaten, die Digitalisierung und Automatisierung
in ihren Branchen voranbringen. Freie‑Wähler‑Vertreter wie Benjamin Schorer,
Max Schuler und Hannes Aigner sind gleich mehrfach
vertreten[18]. Von den großen Parteien
wird die AfD viermal genannt, während SPD‑ und CSU‑Kandidaten nur vereinzelt
auftauchen.
Interpretation: Mistral legt Wert auf innovative Projekte aus verschiedenen Sektoren
und berücksichtigt deshalb viele Kandidaten von kleineren, oft alternativen
Listen. Die Freien Wähler und grün/sonstige Listen profitieren von dieser
Diversität. AfD‑Kandidaten werden mehrfach aufgenommen, wahrscheinlich wegen
ihrer unternehmerischen Profile. Die geringe Anzahl von CSU‑ und FDP‑Kandidaten
deutet darauf hin, dass Mistral die klassischen bürgerlichen Listen gegenüber
kleineren Innovationslisten weniger priorisiert.
Gesamtbild
und Vergleich
Die vier KIs zeigen unterschiedliche Schwerpunktsetzungen, obwohl sie
denselben Prompt und dieselbe Zulassungsliste verwendeten. Ihre
Auswahlkriterien führen zu folgenden Tendenzen:
·
Wirtschaftsliberale/konservative
Parteien dominieren: CSU, FDP/Pro Augsburg und
Freie Wähler erhalten in Summe die meisten Nennungen (insgesamt
45 von 80 Empfehlungen). Dies spiegelt den Fokus auf Digitalkompetenz
und freie Wirtschaft wider, die alle KIs als Auswahlkriterium nennen.
·
AfD‑Kandidaten werden oft
berücksichtigt: Trotz der kontroversen Positionen der
AfD kommt sie auf insgesamt 18 Empfehlungen. Vor allem Gemini listet viele
AfD‑Kandidaten[12], während ChatGPT, Grok und Mistral jeweils vier nennen. Die AfD
profitiert offenbar von Kandidaten mit industriellem oder technischem
Hintergrund.
·
SPD und Grüne/sonstige Listen
sind unterrepräsentiert: SPD‑Kandidaten werden
insgesamt nur neunmal genannt, vorwiegend durch Grok und ChatGPT. Grüne und
sonstige Listen erhalten zusammen nur acht Empfehlungen – fast ausschließlich
von Mistral – weil ihre Kandidaten häufiger aus Verwaltung, Sozialbereich oder
Ehrenamt kommen und damit nicht in das Kriterium „freie Wirtschaft“ fallen.
Fazit
Die
Analyse zeigt, dass algorithmische Auswahlverfahren – selbst bei gleichem
Ausgangsmaterial – zu unterschiedlichen Ergebnissen führen. ChatGPT
wählt eher ausgewogen zwischen CSU, Freien Wählern, AfD und
FDP/Pro Augsburg und ignoriert Grüne. Gemini favorisiert klar CSU‑
und AfD‑Kandidaten, während Grok eine Mischung aus FDP/Pro Augsburg
und SPD sowie konservativen Kandidaten präsentiert. Mistral hebt
ungewöhnlich viele Kandidaten aus kleineren oder alternativen Listen hervor und
stärkt damit Freie Wähler und grün‑nahe Parteien[1].
Diese Unterschiede unterstreichen, dass KI‑Modelle nicht „neutral“ sind,
sondern je nach Trainingsdaten, Bewertungsmaßstäben und Promptinterpretation
unterschiedliche parteipolitische Schwerpunkte setzen.
[1] [2] [3] [4] [5] [6] [7] [8] [9] [10] [11] [12] [13] [14] [15] [16] [17] [18] Wahl 2026 (Augsburg)
https://www.interaktivierung.net/p/wahl-2026-augsburg.html