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11) Die Beobachter und das, was sie nicht sehen können

 In jedem System, das sich selbst beobachtet, entsteht ein blinder Fleck. Die Beobachter können sehen, wie sich das System verhält — aber sie können nicht gleichzeitig sehen, wie ihre eigene Beobachtung das System verändert. Die roten Striche über den Fotos der Forscher auf dieser Seite sind ein visuelles Zeichen für genau diesen blinden Fleck. Etwas wird sichtbar gemacht, indem etwas anderes verdeckt wird.

Die ALICE-Studie wurde von Menschen durchgeführt, die selbst Teil der Medienwelt waren, die sie untersuchten. Sie arbeiteten bei Will & Partner in Augsburg, einem Institut, das Marktforschung für Medienunternehmen machte. Sie waren nicht neutrale Beobachter außerhalb des Systems. Sie waren Knoten im selben Netzwerk, das sie vermessen wollten. Das macht ihre Ergebnisse nicht falsch — aber es macht sie zu Ergebnissen, die nur innerhalb einer bestimmten Beobachtungsperspektive Gültigkeit haben.

Lucius erlebt etwas Ähnliches. Er versucht, die Welt zu verstehen, indem er Bücher liest, Zahlen berechnet und Regeln aufstellt. Dabei wird ihm immer wieder klar, dass er selbst Teil dessen ist, was er zu verstehen versucht. Der Zettel im Buch, der sagt, dass die beschriebene Welt eine Illusion sei, ist auch ein Zettel über ihn selbst. Die Regeln, die er aufstellt, gelten auch für ihn. Die rote Scheibe, die das Ende markiert, markiert auch sein eigenes Ende als derjenige, der noch glaubt, außerhalb stehen zu können.

Die Offenbarung des Johannes kennt diesen Gedanken in ihrer radikalsten Form. Der Engel, der die Botschaft bringt, ist nicht außerhalb der Welt, die er anspricht. Er bewegt sich durch sie hindurch. Und derjenige, der die Offenbarung empfängt, ist nicht ein neutraler Empfänger. Er ist selbst Teil der Geschichte, die offenbart wird. Es gibt keine Position außerhalb. Es gibt nur verschiedene Positionen innerhalb des Systems — und die Frage, was man von dort aus sehen kann und was man nicht sehen kann.

Die roten Striche über den Fotos der Forscher sagen nichts über die Qualität ihrer Arbeit. Sie sagen etwas über die Grenze jeder Beobachtung. Wer ein System vermisst, verändert es. Wer Regeln aufstellt, wird selbst von diesen Regeln erfasst. Wer das Ende beschreibt, steht bereits auf der anderen Seite dieses Endes — oder er steht noch mitten drin, ohne es zu wissen.

Das ist keine Relativierung. Es ist eine notwendige Klarheit. Nur wer akzeptiert, dass er selbst Teil des Systems ist, das er zu verstehen versucht, kann erkennen, wo die Grenzen seines Verstehens liegen. Und nur dort, wo diese Grenzen anerkannt werden, kann etwas entstehen, das wirklich neu ist — und nicht nur eine weitere Variation der alten Muster.



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