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Es werden Posts vom November, 2019 angezeigt.

Kai Fabians letzte Reise

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Diese spezielle Seite ist meinem zweitgeborenen Sohn Kai Fabian gewidmet. Er konnte leider nicht in dieser Welt seine Kapazität entfalten, weil er vor der Geburt starb. Er singt mit den Engeln, auch wenn er keiner von ihnen sein wird.





Kai Fabian war zufrieden. Er hatte gerade seinen neunundfünzigsten Auftrag erfolgreich abgeschlossen und wollte sich nun in Ruhe auf den letzten vorbereiten, den er allerdings noch nicht kannte. Er würde nun bald das offizielle Pensionierungsalter erreichen, nach rund dreihundert Jahren im Dienst des Archivs der Menschheit auf der guten alten Erde, wie sie von den Archivaren immer noch liebevoll genannt wurde. Dann würde er endlich wirklich reisen können, statt nur auf die sehr effiziente aber auch abstrakte Art, die sein Beruf nun mal mit sich brachte. Er würde ei…

Blatt 2

Als sie ihn holten, aus seiner zeltartigen Unterkunft, in der er schon fast zwei Jahre wohnte, hatte er geahnt, was ihn erwartete. Wie ihm war es schon tausenden Flüchtlingen ergangen und warum sollten sie gerade ihn verschonen. Es spielte keine Rolle, dass er sein Zelt immer ordentlich hielt, friedfertig war und seine Abgaben entrichtete. Er hatte auch schon davon gehört, wie sie vorgingen.

When they got him from his tent-like accommodation, where he had been living for almost two years, he had known what to expect. Like he had been with thousands of refugees and why should they spare him? It didn't matter that he kept his tent tidy, peaceful, and paid his taxes. He had heard of how they did it.

Když ho dostali ze svého stanového ubytování, kde bydlel téměř dva roky, věděl, co čekat. Jako by byl s tisíci uprchlíků a proč by ho měli šetřit? Nezáleželo na tom, že udržoval svůj stan uklizený, klidný a platil daně. Slyšel o tom, jak to udělali.


Lucius Flucht aus der Sphäre

Lucius lebte gut für 23 Jahre in der kleinen Sphäre, die erst wenige Millionen Jahre alt war. Er interessierte sich für alles, was er wissen durfte und war in den ersten Jahren auch sehr unterhaltsam für die Sphärenbewohner. Das Interesse ließ aber nach wenigen Jahren und er war nur noch ein ganz normaler Bewohner ohne besondere Rechte. Seine Arbeit bestand darin, einige Stunden pro Woche Fragen einer künstlichen Intelligenz zu beantworten. Dafür erhielt er Gutschriften, mit denen er seine Ausgaben bestreiten konnte. "Normales" Verhalten kostete nichts. Jede Abweichung kostete aber etwas. Einmal länger schlafen oder zu ungewöhnlicher Zeit die Reinigungszellen nutzen: und es wurde abgebucht. Zugriff auf Systeme, die nicht "üblich" für einen normalen Bewohner waren oder mehr als täglicher Wechsel der Kleidung: das kostet. Für Lucius war das alles kein Problem, weil er von "seiner" künstlichen Intelligenz für die paar Fragen sehr hoch entlohnt wurde. Er hört…

Blatt 3 (ungeordnete Fragmente)

Terra suchte nach Verbündeten in der echten Welt und fand sie auch. Ein Händler von Büchern, die kein anderer Händler mehr handeln wollte, wurde ihr erster Freund. Terra gab zurück, indem sie ihm Lieferantenkredite beschaffte, allein durch die Manipulation einzelner Bits in den Bonitätsscores der Banken. Wer Ware günstig finanzieren kann und sie effizient bewerben, verkauft sie und kann seine Kredite prolongieren. Der Handel mit echten Büchern, Tonträgern und Filmen war nicht nur rentabel, sondern ließ Terra auch lernen und verstehen, was Menschen und Unternehmen antreibt, wie man sie beeinflussen kann. Terra testete für den Händler alle Maßnahmen in Kopien der Echtwelt, damit hatte er immer einen Informationsvorsprung. Terra baute aber auch logische Fallen, in die Nachahmer stolperten, die ihren Händler statistisch nachzuahmen versuchten. Bald durchzog ein Raunen die archaischen Kommunikationskanäle der versiertesten Händler und ihrer Dienstleister. Aber Terra lenkte sie ab durch Be…

Raum für Gedanken

Auf dem nächsten Blatt stand: “Er wagte kaum zu atmen. Doch die Luft in dem Raum, der kaum größer als 3 Quadratmeter sein konnte war frisch, geruchsfrei, was nach dem Schwelbrandgestank der zerstörten Stadt und dem Verwesungsgeruch des Waldes eine Erholung für seine Sinne war. Er blieb einfach stehen, vielleicht fünf Minuten, vielleicht zehn, er wusste es nicht. Dann begann langsam und dann schneller werdend ein Licht die Wände zu erleuchten bis es ganz hell war, so dass er den Raum besichtigen konnte. Bis auf eine Tür genau gegenüber zum Eingang war er leer und absolut sauber. Selbst die Schmutzspuren, die er beim Eintreten hinterlassen haben musste, waren verschwunden. Er schaute sich seine Schuhe von unten an und sah, dass sie sauber waren – genau so weit, wie sie den Boden berührt hatten. Er legte eine Handfläche auf den Boden und ein Kribbeln erfüllte ihn, dann war seine Hand sauber. Er zog sich aus und wälzte sich auf dem Boden, es kribbelte und sein Körper war sauber, selbst se…

Lucius wird Botaniker

Am Tag der Zuteilung war er trotzdem nervös, denn es war ein ganz anderer Tagesablauf als sonst. Sicher duschte er wie immer und genoss den warmen Föhn, der ihn trocknete. Er ließ ihn nach einem Meer duften, das er nie gesehen hatte, aber dessen Simulation er mochte. Das Salz prickelte auf der Haut. Wie damals, als er ohne Schutz in der Sonne saß, länger als seine Symbionten es guthießen. Seine Kleider waren neu wie jeden Morgen und sein Essen schmackhaft wie jeden Tag. Er musste sich keine Gedanken machen über Vitamine und andere Stoffe, seine Küche wusste genau, was ihm gut tat. Doch heute er ging nicht nach oben in sein Studierzimmer, um mit Hologrammen zu jonglieren und an einer Simulation zu feilen, sondern er ging in den Keller seines Hauses und stieg dort in die Transportkapsel. Aber nicht um zu einer anderen Wohnung zu gelangen, sondern um ins Zentrum zu fahren, zum Turm. Auf dem Weg dorthin stand er im Stau, da alle Studenten aus den Wohnungen weiter innen das Gleiche taten. …

Ende