Selbstgespräche




Auch seine Eingriffe hatten ja immer wieder unerwartete Folgen. Einmal verjagte er Krabbler aus einer Ecke, weil er sie dort zu häufig fand und sie krabbelten doch immer wieder an diese Stelle zurück. Schließlich fand er heraus, dass an dieser Stelle ein Bodenpilz wachsen wollte und den verhinderten die Krabbler. Der Pilz war aber giftig für die Büsche direkt daneben, das war deutlich zu sehen. Also ließ Lucius die Krabbler ihre Arbeit verrichten. Sie zerstörten den Pilz nicht unterirdisch, sondern hielten ihn nur so im Gleichgewicht, dass er nicht genug Toxine absondern konnte, um die Büsche zu töten (und so konnte er sich nicht weiter ausbreiten). Dafür seid Ihr Krabbler also auch da, und keine Simulation berücksichtigt das ausreichend. Und meine AI schmollt immer noch wegen Gödel und die Mathematiker suchen nach Fehlern in meinen Untersuchungen, dabei hätten sie soviele andere Lösungen zu finden in ihren Zahlenfolgen. So dachte Lucius und er murmelte es auch vor sich hin, das hatte er sich angewöhnt. Seine AI warnte ihn, dass er das nicht tun sollte, es würde seltsam wirken für einen Mann in seinem Alter. Im letzten Lebensdrittel (er war im ersten nach üblicher Rechnung) wäre es in Ordnung, weil dann hat man ja alles Neue bereits mindestens zehnmal geagt und wiederholt sich nur noch. Die AIs berechnen vor, was man sagen wird, bevor man es tut, es sind dann genug Daten vorhanden. Deshalb schweigen manche alten Wissenschaftler nur noch und andere reden einfach vor sich hin, egal ob einer zuhört oder nicht. Doch bei Lucius hatte das vor sich hinreden eine andere Bedeutung, es war nicht Reaktion auf eine ignorante Umgebung, sondern einfach ein Bedürfnis, wenn er in der reguliert-verwilderten Natur seines Gartens war. Er würde diese Eigenart sein ganzes Leben beibehalten und sie war ein gutes Zeichen, denn wenn er wirklich einmal komplett verstummte, war es ein Warnsignal, das seine AI zu deuten wussten.