Pablo


Auf dem dritten Blatt war zu lesen: Jemand schritt von hinten an ihn heran und legte ihm die Hand auf die Schulter, eine menschliche Hand, er konnte die Wärme durch seinen Overall hindurch fühlen. „Willkommen bei uns, Fremder, wie ist Dein Name?“ „Ich….“, krächzte es aus meinem Hals, der nicht mehr gewohnt war zu sprechen, „Ich heiße Lucius.“ Er setzte sich mir gegenüber und schaute mich offen neugierig an. Ich wagte nicht zu blinzeln, weil ich befürchtete, er wäre dann wieder verschwunden, weil es nur ein Traum sein konnte nach all dem Elend. Dann fiel es mir ein, woran mich der junge Mann im Overall der Sicherheitskräfte erinnerte. Er sah sehr stark einem Klassenkameraden ähnlich, der mit mir ausgezogen war vor langer Zeit, als wir so jung waren wie der junge Mann vor mir. „Du bist aus meiner Erinnerung! Wie heißt Du?“ „Ich weiß es nicht, was würde Dir denn gefallen?“ „Pablo, Dein Name ist Pablo ...“ „Gut, ich heiße Pablo und Du weißt, warum ich hier bin?“ „Diese Anlage hier, sie hat Dich erschaffen, damit ich nicht alleine bin. Weil ich unter nichts mehr leide in dieser Zeit als unter der Einsamkeit. Ich hatte davon gehört, dass es solche Anlagen gibt.“ „Das ist fast richtig, ja. Aber nicht nur die Anlage hat mich erschaffen, sie ist nur das Werkzeug, sondern vor allem Du mit Deinen Erinnerungen und Deinen Wünschen. Ohne Deine Sehnsucht nach Sauberkeit, Frieden, Gemeinschaft wäre ich nicht hier. Danke dafür…“ „Woraus bestehst Du?“ „…“ „Weißt Du es nicht? „Doch, ich sollte eigentlich alles wissen, was diese Anlage betrifft oder ich kann es abrufen, wenn ich es benötige, aber ich suche nach den richtigen Worten.“ „Ich habe Hunger und Durst, Du auch?“ „Ja, jetzt habe ich auch Hunger und Durst, warte einen Moment.“ In der Wand direkt über unserem Tisch erschuf sich eine Öffnung und in sie kam von unten ein Behältnis gehoben, darin waren zwei flache Boxen, in denen abgepacktes Essen und Trinken in Bechern stand. Lucius‘ Hände zitterten, als er die Verpackung aufriss, um harte Würste, Brot, Butter, Senf auszupacken. Er zwang sich, ganz langsam abzubeißen. Pablo sah‘ im ruhig zu und machte es ihm dann nach, auch ihm zitterten die Hände dabei. „Du musst nicht zittern dabei, ich bin nur so hungrig und aufgeregt, dass es mir unwillentlich passiert.“ „Oh, entschuldige, das hätte ich mir denken können.“ Und er hörte auf zu zittern. Wir mussten beide lachen.