2020 - das Jahr des Umbruchs




2020 beginnt ein Jahrzehnt großer Umbrüche, in dem sich Entwicklungen, die teilweise Jahrhunderte andauern, mit voller Wucht zeigen werden. Unsere Spezies ist sehr einfallsreich und resilient, wird also auch das überleben und gestärkt daraus hervorgehen.
Wir agieren auf der Basis von dem, was ebenso intelligente Menschen vor uns geschaffen haben. Deshalb lohnt es sich gerade in hektischen Zeiten, in denen vieles in Frage gestellt wird, darauf zu achten, wie Experten in der Vergangenheit versucht haben, in die Zukunft zu blicken.
Vor genau 25 Jahren haben Experten aus ganz unterschiedlichen Bereichen im Auftrag der Burda Medien Forschung Prognosen gewagt. Der Blick reichte bis ins Jahr 2020, das uns jetzt gerade zur Realität wird.
Heute arbeite ich bei der Ebner Media Group, im Bereich Account Based Marketing. Hier setzen wir die zentralen Forderungen der Forscher ergebnisorientiert um.

Auszüge aus der Studie von 1995:

Unter Interaktivierungstendenz verstanden Kommunikationsexperten vor der Jahrtausendwende den zunehmenden Wandel bisher statischer Medien und Kommunikationskanäle zu interaktiveren Formen. Der Begriff wurde erstmals 1995 im Rahmen der mittels Delphi-Methode erstellten Experten-Studie "Zukunft der Medien - Zukunft der Werbung" geprägt, die neben einer aktuellen Bestandsaufnahme auch einen Ausblick in die Medienlandschaft des Jahres 2020 leisten sollte.

Die Experten sahen 1995 deutlich den Trend der Interaktivierung, entscheidend sollten die Medienanbieter und die Reaktion der Leser / Zuschauer sein. Generell wurde quantitatives Wachstum der Medien vorhergesagt, also mehr Medien, die zudem immer länger und auch intensiver genutzt werden. Digitale Medien sollten im Jahr 2020 die Kommunikation dominieren und deutlich mehr als fünfzig Prozent der gesamten Kommunikation ausmachen.

Als interaktive Frühstarter identifizierten die Experten Informationsdienste, Erotikanbieter, Börsenpublikationen, Fernsehzeitschriften, Politik-Magazine, Wirtschaftsblätter und mit deutlichem zeitlichen Verzug das interaktive Fernsehen. Als wesentlicher Punkt für die Durchsetzung interaktiver Medien wurde das Design gesehen. Es wurde formuliert, dass "easy tech statt high tech" eingesetzt werden muss, damit eine breite Softwarepalette und niedrige Preise schließlich zum Erfolg führen.

U. a. folgende Trends wurden dokumentiert:

Trend zur Internationalisierung der Mediennutzung setzt sich fort: Professionelle Zielgruppen sind international orientiert, weil sie sehr exportorientiert arbeiten, in internationalen Firmen angestellt sind und / oder mit Outsourcing und Offshoring Partnern weltweit agieren. Durch den immer intensiver standardisierten EU-Binnenmarkt hat zudem der grenzenüberschreitende Handel deutlich zugenommen.

Trend zur mobilen Nutzung verstärkt sich: Professionelle Nutzer konsolidieren schon im beruflichen Transaktionsumfeld sehr viele ihre Tätigkeiten und Verantwortlichkeiten in Portalen. Durch schnelle und preiswerte Netze sind diese Portale jederzeit mobil nutzbar, sodass sich der Trend zur mobilen Konsolidierung in Portalen fortsetzt. Die im privaten Umfeld gelernten Mechanismen von Facebook, Twitter, Xing und LinkedIn werden effizient mit der beruflichen Internet-Nutzung verzahnt.

Trend zur Kosten-Sensitivität: Bei ambitionierten Heimanwendern setzt sich seit dem Start interaktiver Medien eine Mentalität durch, dass Inhalte und Services nahezu vollständig kostenlos angeboten werden bzw. im Rahmen eines sehr günstigen Abonnements. Der Nutzer zahlt zunehmend mit seiner Aufmerksamkeit und seinen Daten, die sich als neue Währung etablieren (Leadgenerierung). Für hochwertige Inhalte und Services im beruflichen Umfeld kommt jedoch Paid Content durchaus in Frage. Jeder Service, Inhalt, jedes Produkt muss sich in diesem Spannungsfeld exakt positionieren.

Trend zur Beschleunigung: Die alte Gleichung "Massenmedien = wirksam, aber langsam" versus "Interaktive Medien = schnell, aber nur geringe Reichweiten" geht nicht mehr auf. Die Reichweiten der interaktiven Medien steigen weiterhin rasant und sie durchdringen immer weitere Lebensbereiche. Neben der gestiegenen technischen Reichweite der interaktiven Medien ist die zunehmende Reaktionsgeschwindigkeit der Marktteilnehmer ausschlaggebend. Die Beschleunigung nimmt nochmals zu, da durch Online-Trackingverfahren zum Teil automatisiert interaktive Inhalte und Services optimiert werden können. Aus medialen Projekten, die sich in ein festes Erscheinungsraster zwingen lassen, werden permanente Prozesse, die ganz anderer Kontrollmechanismen bedürfen. Print überlebt dort, wo es entschleunigend, ordnend und Sinn stiftend wirkt (beruflich wie privat).

Trend zur Public Relation: Industrie und Agenturen haben medial aufgerüstet und beschäftigen mehr Redakteure als die klassischen Medien. Damit weichen sie die ursprüngliche Kernkompetenz dieser klassischen Medien auf, als einzige mit dem Endkonsumenten / Businessendkunden in verständlicher Sprache kommunizieren zu können. Content Marketing, Branded Content und Native Advertising umschreiben diesen Trend - es entstehen neue Geschäftsfelder wie Leadgenerierung durch Content Marketing, gerade im gehobenen Fachhandel.

Trend zur maschinellen Intelligenz: Da die interaktiven Talente rar sind und zugleich die ihnen zugewiesenen Aufgaben immer komplexer werden, hat sich langsam aber unaufhaltsam ein Trend zur Nutzung maschineller Intelligenzen etabliert. Von den Regeln, die sich selbst optimieren, die Google anwendet, um die Suchergebnisse und Anzeigen zu verbessern bis hin zu komplexen Analysen des Klimas, im Gesundheitswesen oder bei Wissensfragen.

Lesen Sie die komplette Studie hier:
"Zukunft der Medien. Zukunft der Werbung"
Quelle: newsline.de via Wayback-Machine


Im Jahr 2020 sieht der aktuelle Burda-Vorstand Philipp Welte das Thema Digitalisierung in einem etwas anderen Licht. Er postuliert eine mögliche digitale Hegemonie internationaler Konzerne, denen Deutschland zunehmend zum Opfer fällt und fordert politische Einflussnahme auf das freie Spiel der Kräfte im Markt: hier im Wortlaut https://issuu.com/turi2/docs/edition10/96?fr=sMWZkMTY5MTg0MQ

Wer hat nun recht? Dazu ein paar Gedanken (auf LinkedIn).

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