Die Stadt war friedlich




Die Stadt war friedlich, wie jeden Morgen. Die Menschen und ihre Maschinen, die hätten unfriedlich sein könnnen, waren noch nicht hervorgekommen aus ihren Wohnhöhlen, tief unten. Manche von ihnen schliefen nie richtig, sondern schlummerten höchstens einmal zwei bis drei Stunden in einem der Entspannungsräume, dort wo sie sicher waren vor ihren Träumen. Sie hatten es sich abgewöhnt, das tiefe Schlafen und das Träumen. Wer nicht arbeitet, braucht auch nicht schlafen und von ihnen arbeitete ja keiner, zumindest nicht im eigentlichen Sinn. Im Dorf, ja dort hatte jeder eine Arbeit, sobald er konnte und solange er irgendwie noch konnte. Dort war man schon todmüde, bevor die Sonne unterging und der Schlaf reichte eigentlich nie aus, um wieder erholt zu sein. Vielleicht hatten sie es sich dort angewöhnt, immer nur halb ausgeschlafen durchs Leben zu wanken und konnten es in der Stadt nicht mehr ablegen. Aber sie waren ja auserwählt worden, in die Stadt zu ziehen, weil sie zu den intelligentesten, gesündesten, rücksichtslosesten und erfindungsreichsten Dorbewohnern gehörten. Am Anfang lernten sie auch viel in der Stadt und hatten ihren Spaß damit, alles auszuprobieren, was es so im Dorf nicht gab. Vieles verlor seinen Reiz im Laufe der Zeit, weil es einfach zu haben und nicht verboten war. Sie geizten mit Verboten in der Stadt, es konnte teuer werden, wenn man die paar Regeln brach, aber das kostete eigentlich nur viel Zeit. Entweder, um die Schulden abzuarbeiten oder um sie abzusitzen in einer langweiligen Einrichtung. Am liebsten rodete er Wälder mit einer Rodungsmaschine, einer seltsamen Kreuzung aus Panzer und Müllwagen, unglaublich laut und alles vernichtend. Aber es roch nach Holz in dessen Nähe und das erinnerte Lucius an das Dorf, in dem Wald allgegenwärtig war. Und der Geruch des Waldes in seinen Kleidern ließ ihn Nachts gut schlafen, deshalb reinigte er sich nicht am Abend, sondern erst am Morgen. So war er nicht froh, als entschieden wurde, dass er in die Studentenstadt umsiedeln musste, aber er hatte keine Wahl. Um sein altes Leben aus dem Dorf und aus der Stadt auch in der Studentenstadt fort zu setzen, wählte er die Rolle des Botanikers, keine war mehr verachtet unter den Studenten und den Professoren.