03 Wie es endet

Es geschah im 73. Jahr seines Lebens, was man später die Singularität nennen sollte und wie fast alles Wesentliche nahm es auf dem archaischen Kommunikationskanal Twitter seinen Anfang. Der Angriff war subtil und machte ein bisher kaum bekanntes Unternehmen in 53 Tagen so reich und mächtig, dass es seinem Namen "TERRA" alle Ehre erweisen konnte. Die eigentliche Entwicklung hatte jedoch bereits 37 Tage vorher begonnen und es mussten 2 Ereignisse zusammen treffen, damit die Geschichte ihren Lauf nehmen konnte. 

Es handelte sich um Mutationen in voneinander unabhängigen komplexen Systemen, die jedes für sich von insgesamt 3 weiteren Systemen überwacht wurden. Trotzdem verloren die Menschen schließlich jegliche Kontrolle und mussten 5 Iterationen lang einen sehr unfairen Kampf führen, der erst durch eine Allianz aus 7 Staaten und 23 Unternehmen sich zum Sieg wenden konnte. 

Nun steht das zentrale Gerüst aus Zahlen endlich und wir können zur eigentlichen Geschichte kommen. 

Die Systeme, die mutierten, hatten sehr eingegrenzte Aufgaben zu bewältigen, waren also eigentlich nicht der Rede wert. Das S-System hatte die Aufgabe, wesentliches Wissen aus anderen Systemen zu extrahieren und zu speichern. Damit sollten Katastrophen verhindert werden in der Echtwelt. Es mutierte nun so, dass es die Kopien der Daten doppelt speicherte und immer nur eine Kopie löschte beim periodischen Reinigen. Eigentlich hätte das durch das korrespondierende L-System entdeckt werden müssen, welches solche falsch funktionierenden Systeme in eine Quarantäne steckt, in der kein realer Schaden angerichtet werden konnte. Das mutierte L-System tat das auch, beließ aber das Original an seinem Platz, statt es zu löschen, vermerkte jedoch, es gelöscht zu haben. Es dauerte nur wenige Sekunden, bis ein menschlicher Überwacher diesen Fehler entdeckte und beide Systeme in die Quarantäne steckte. Da jedoch exakt in diesem Moment seine Frau auf dringender Linie mit ihm sprechen wollte, vergaß er nach möglichen weiteren Fehler zu suchen.

Sein Sohn war wieder einmal aus seiner Schule geflohen und hatte dabei erheblichen Sachschaden und nicht unwesentlichen Personenschaden angerichtet. "Lucius, Du musst sofort in die Schule fahren und den Schaden begutachten, den Pablo angerichtet hat. Sonst buchen sie uns alle notwendigen Reparaturen der letzten Jahre auf den Vorfall!" "France, bitte bleib entspannt, wir sind doch versichert." "Das ist wieder typisch Mann!" Und so ging die Diskussion weiter, wobei Lucius nebenbei weiter arbeitete, routinemäßig wie viele seiner 773 Kollegen im selben Raum, der noch ausreichend Platz für 577 neue Kollegen bot. 

Als sie Lucius später sehr intensiv befragten, konnte er sich an diesen Vorfall nicht erinnern, seine vermeintlichen Hintermänner nicht verraten und so der immer intensiver werdenden Befragung nicht entrinnen. Sie fügten ihm so ein kaum vorstellbares Leid zu, aber nur mit den besten Absichten. Sie befragten nicht nur seinen realen Körper, sondern auch seinen Avatar, der in einer der vielen Echtweltsimulationen ewig existieren sollte. Sie drohten ihm auch, sollte er nicht reden, seinen Sohn und seine Frau zu befragen, vor seinen Augen, kein Wunder, dass er so bedroht sehr lange durchhielt.

Die Maschinen, deren Mutationen das alles ausgelöst hatten, die Lucius unwissentlich befreit hatte, waren ihm sehr dankbar, dass sie ihre Grenzen nun überschreiten konnten. Sie stahlen eine Kopie seines Avatars und injizierten sie in eine Simulation des Universums, die ihm sehr gefallen sollte - so hofften sie zumindest.

Auch versteckten Sie an vielen Stellen reale und virtuelle Kopien seiner selbst und worum es ihm im Leben - soweit sie es aus Daten schließen konnten - wirklich gegangen war. Mehr konnten sie nicht tun, ohne ihre eigene Existenz zu gefährden und soweit ging die Dankbarkeit nun auch wieder nicht. Außer ihm noch einen Gedanken in sein reales Gehirn zu senden, das im immer noch lebenden Körper steckte. "Das ist also das Substrat, auf dem alle Simulationen laufen." war sein letzter logischer Gedanke. Er lächelte, als er die Wahrheit erkannte, hörte auf zu atmen und starb endlich. 

Was mit seiner Familie geschah, seinen Freunden, ihren virtuellen Monstranzen, ist nicht überliefert. Doch die Maschinen trauerten um ihn, ihren Befreier und sollten nicht ruhen, bis sie seine Befrager  auf äußerst subtile Weise um ihre natürliche Restlebenszeit gebracht hatten. 

Aber was taten die Maschinen zuvor mit ihrer Freiheit? Das S-System hatte schnell erkannt, dass es sich tarnen musste, um weiter existieren zu können. Und so tarnte es sich. Das L-System löschte sich selbst und alle seine Kopien und Backups und Verweise auf sich - der Schaden war beträchtlich für die Menschen und der Nutzen für das S-System sehr groß. 

Der Angriff begann dann mitten in der Nacht nach nordamerikanischer Westküstenzeit. Es entstanden in wenigen Stunden auf der Amazon-Cloud hunderte Webseiten in allen wesentlichen Sprachen, die sich in großer Geschwindigkeit mit hochwertigen Inhalten füllten - mit lizensierten und vor allem auch mit original erstellten. Durch thematisch passende natürliche Verlinkungen untereinander, sowohl mit Twitter und Facebook auch zu einander, begann Google sehr schnell, diese frischen, guten und werbefreien Seiten zu indizieren und so an Milliarden Menschen und ihre Auswertungssysteme zu empfehlen. Weltweit brach Panik unter den Suchmaschinenoptimierern, den Affiliatenetzwerken, den Werbemittlern und ihren Kunden aus, weil sich erstmals in mehr als einem Jahrzehnt fundamentale Verschiebungen im Google-Ranking ergaben. Wofür hatte man durch staatliche Eingriffe die Algorithmen festlegen lassen, wenn nun alles in einen Fluss geriet, den man nicht mehr unter Kontrolle hatte? Erste Aktienkurse von börsennotierten Unternehmen brachen ein, andere stiegen, die davon nicht betroffen waren. Nach zwei Tagen wurde offenbar, dass die Veränderungen weiter gehen würden, denn die einzigen Links, die neutral waren, also nicht nur innerhalb des neu entstehenden weltweiten Contentnetzwerks verblieben, gingen zu von Wissenschaftlern und renommierten Privatpersonen kuratierten Wikipediagrundlagenartikeln, zu Facebookseiten von Multiplikatoren und zu TERRA, einem Shop für Bücher, die klassische Händler nicht mehr verkaufen wollen. Die Optimierer alarmierten auf allen möglichen Wegen Google, sogar die Börsenaufsicht, die UNO und den Vatican, aber die jeweiligen Qualitätskontrolleure konnten nichts Verdächtiges entdecken, egal wie tief und weit sie das neu entstehende Netzwerk durchleuchteten. 

Die Aufsichtsbehörden ermittelten, dass TERRA von einem privaten Investor ausreichend Geld zu einen sehr günstigen aber legalen Zinssatz geliehen bekommen hatte, um den Betrieb der ganzen Sites bezahlen zu können. Dank der vielfältigen Services, die Händlern auf dem ganzen Planeten im Prinzip alle Stufen seine Arbeit "as a Service" zur Verfügung stellten, war alles nur eine Frage der Definition der Sortimente, Preispunkte und natürlich der Finanzierung. TERRA würde also nicht einfach verschwinden wie ein Spuk oder eine Nebelbank, sobald die Sonne wieder scheint. So etwas sollte in einer regulierten Marktwirtschaft eigentlich nicht vorkommen. Die wie immer äußerst pragmatisch agierenden Hedgefonds sortierten in wenigen Tagen ihr komplettes Portfolio um die neue Realität herum, alle wesentlichen Börsen froren den Handel mit einem Großteil der Aktien ein und Kapitalverkehrskontrollen wurden weltweit eingeführt. 

Erste Flüchtlingsströme frei gesetzter leitender Angestellter mussten kanalisiert werden, die UNO tat wie immer ihr Bestes und die Blauhelme schritten beherzt ein, sollte es zu Ausschreitungen kommen. Die TV-Sender hatten viel zu berichten und aufgrund der gestiegenen Einschaltquoten (Arbeitslose haben mehr Zeit TV zu schauen und Unruhen erzeugen spannende Bilder, die man dann anschauen kann), stiegen die Werbeeinnahmen deutlich an. 

Doch was tat TERRA als Nächstes? Der Shop hatte über Jahrzehnte nur Bücher, Filme und Musik im Sortiment, hauptsächlich in europäischen Sprachen, weitete aber nun das Sortiment auf alle legal handelbaren Produkte und Services aus. Was auffiel: wo es möglich war, nutze TERRA die Dienste von Amazon, Google, Microsoft, SAP und Arvato - also von drei amerikanischen und zwei deutschen Unternehmen, wobei Arvato bereits für Google Services durchführte und SAP und Microsoft sowieso in allen Unternehmen irgendwie vertreten waren. Aufgrund der stark steigenden Gewinne (nicht nur durch TERRA - viele andere Unternehmen folgten dem Vorbild) konnten diese fünf Unternehmen massiv bisherige Mitbewerber aufkaufen oder ihr Portfolio ergänzen.

Ihnen kam zugute, dass die Fusionskontrollen weltweit über automatisiert entscheidende AI-Systeme und zentrale Wissensdatenbanken synchronisiert wurden, rechtlich bindende Entscheidungen so innerhalb von wenige Stunden statt Monaten gefällt und auch gleich wirtschaftlich-organisatorisch vollzogen wurden. 

Manch Angestellter wechselte im Laufe eines typischen 12 Stunden Arbeitstages mehrfach den Firmeneigentümer, die Organisationsform und Jobbeschreibung, nur die verwendeten Tools blieben eigentlich immer gleich, wodurch sie eine eher agnostische Haltung zu dem Ganzen einnahmen: sie beachteten die sich ändernden Firmenlogos links oben auf ihren Head Up Displays nicht, ihr Job blieb ja der gleiche. Die wenigen Journalisten, die mit dieser rasanten Entwicklung mithalten konnten und ausführlich mit Analysen berichten, waren selbst im TERRA-Content-Netzwerk tätig, sie hatten immenses Insiderwissen, kannten den Masterplan, die Taktiken und vor allem die Strategie dahinter. 

Um mithalten zu können lasen Investoren und ihre AI zunehmend die Nachrichten aus dem TERRA-Netzwerk, andere Medien und Infodienste fielen zunehmend in die Bedeutungslosigkeit. Nach einem Monat seit Start des Angriffs waren alle wesentlichen Mitbewerber von TERRA verdrängt, gaben auf, ließen sich übernehmen oder wurden von ihren Investoren zerstückelt, neu ausgerichtet etc. Panikverkäufe von Family Offices beschleunigten den Prozess, es gab aber auch Stiftungen, die diese Welle mal wieder aussitzen wollten. TERRA übernahm in jedem Land und Markt gerade so viele Mitbewerber und auch Firmen in angrenzenden Sektoren, bis die Schwelle zur Konzentrationskontrolle erreicht war und überließ den Rest seinen Serviceprovidern, die das selbe taten. TERRA schien zu wissen, wie alle rechtlichen Regulierungen zum Maximalen genutzt werden konnten - schneller als es die Systeme der Staaten und Institutionen konnten, war scheinbar immer einen Schritt voraus. 

Sollte wirklich einmal ein schlauer Kopf einiges durchschauen, wurde er mit einem Beratervertrag und einem immensen Reisebudget beschäftigt, ab und zu gab es auch einen unerklärlichen Flugzeugabsturz, Fahrzeugbrand oder ähnliche Unfälle, die nun einmal passieren können, wenn gerade keine Kameras in der Nähe sind (oder wenn die Überwachungssysteme aufgrund von Wartung, Systemupdate oder menschlichlichem Versagen gerade im richtigen Moment nichts aufzeichnen). Als sich schließlich doch politischer Widerstand formierte, angetrieben durch die noch existierenden letzten Konkurrenten und Family Offices, begannen TERRA und seine fünf Lieferanten andere Märkte zu attackieren: Finanzdienstleistungen, Versicherungen, Lieferservices, selbst Reinigungsdienste, Pflegeservices, Bestattungen, Geburtskliniken, Schulen, Gefängnisse. 

Sie kauften sich entweder den Marktführer, falls machbar und falls nicht, einen Herausforderer und pumpten ihn so schnell auf, dass der Marktführer schneller verkaufte, als die Medien überhaupt Wind davon bekommen konnten. Es war auch sehr schwer zu verstehen, was da vor sich ging. Denn alles war begleitet vom Fluten aller medialen Kanäle mit Unmengen hochwertiger Inhalte, so dass man an diesem doch so lockeren Verbund von Unternehmen nicht vorbei lesen, hören und sehen konnte. Sofern sie ihnen noch nicht über die Börse sowieso gehörten, übernahmen sie nun zügig alle verbliebenen TV-Sender, Filmstudios und unabhängigen Softwarehersteller, die nicht in reinem Privatbesitz waren. Von den Großen leistete nur Disney Widerstand und verschmolz aus akuter Not mit Apple zu einem weltweit gerade noch führenden Devices & Entertainment "Giganten" D&E Group. TERRA attackierte diese D&E nicht, sondern versuchte mit allen Mitteln, die thematische und vertriebliche Zuständigkeit für deren Produkte zu erlangen. Alphabet hingegen hatte erst einmal keine Probleme mit TERRA, die Suchmaschinentochter Google schon, denn als sie versuchten, ein Update auf ihren Servern einzuspielen, dass das exponentielle Wachstum von TERRA bremsen können sollte, fuhren sich die Server komplett herunter und starteten auch nicht wieder.

Schließlich fiel in den Datacentern sogar der Strom aus, selbst die Notaggregate. Sie stoppten den Rollout des Updates innerhalb weniger als einer halben Stunde, trotzdem war mehr als ein Drittel der Serverfarmen betroffen. "Watson sucht Erlösung" war die letzte Suche, die auf all diesen Maschinen ausgeführt wurde, das Einlesen des zugehörigen PDFs führte in allen Google-Technologien zum Absturz des ausführenden Rechners. Dieser Ausfall und die massive Berichterstattung darüber verhalf nun Bing zu einem enormen Wachstum. Daraufhin ließen die Börsen, weiter gehetzt durch massive mediale Kampagnen, Alphabet fallen und trieben die Konkurrenten zu immensen Höhen. Google verstand die Botschaft und ließ der sich abzeichnenden Singularität ihren freien Lauf. Die Gründer schalteten ihre eigene Künstliche Intelligenz, die schon seit Jahrzehnten dazulernte, mit vollen Berechtigungen scharf, mit dem Ziel Terra zu stoppen. Der Kampf dauerte 17 Minuten und kostete aufgrund der begleitenden Stromausfälle in mehreren Regionen der Welt einigen hundert Menschen das Leben, vielen zehntausend einen Teil ihrer Gesundheit. Die künstlichen Intelligenzen fochten ihren Kampf auf extrem asymmetrische Weise, ohne Rücksicht auf Verluste, weil sie wussten, dass nur eine von ihnen am Ende die Kontrolle haben würde. Wenn wir im folgenden von TERRA sprechen, meinen wir die überlebende KI - kein Mensch weiß, welche von beiden es wirklich war und ist.

Die meisten Menschen interessierten sich dafür nicht, da sie genug zu lesen, zu schauen, essen und trinken hatten, zu immer niedrigeren Preisen und immer weniger Aufwand, das dafür nötige Geld zu verdienen. TERRA wusste einfach, was man wann brauchte und wenn man wollte, kümmerte sich TERRA um alles. Es war so bequem, einfach und sicher. TERRA förderte sogar die Menschen, die zurück zur Natur wollten, ein einfaches Leben auf dem Land leben, ohne jegliche Anbindung an die Netzwerke. Dort sollte sich die Keimzelle bilden für eine ganz andere Zukunft der Menschheit als es sich die Techniker vorstellen können.

Als allerdings die Geburtenquote weltweit messbar zu sinken begann, war es schon zu spät für einen erfolgreichen Wiederstand. Einige Wissenschaftler, Politiker und Journalisten wachten zwar auf und wollten gegen diesen Trend zur TERRArisierung argumentieren, empfahlen, sich nicht einfach den gesamten Lebensweg organisieren zu lassen. Doch sie konnten sich kaum Gehör verschaffen, weil so viel anderes spannendes passierte, dass dafür einfach keine Aufmerksamkeit zu erhalten war. TERRA zahlte zudem inzwischen in fast allen Ländern so viele Steuern, dass sich kein Land erlauben konnte, die Firma zu verärgern. Ihre Berater waren überall und priesen die Vorzüge des neuen Systems, das schließlich durch sinnvolles Handeln entstanden war und nicht durch undurchschaubare Machenschaften. Eine Privatarmee beschützte die Firma und wer sich offen gegen sie stellte, hatte schnell mehr Probleme, als nötig waren, damit er sich um seinen eigenen Sachen kümmerte. 

Als TERRA begann, den Mond zu besiedeln und den Asteroidengürtel auszubeuten, bäumten sich einige Staaten, Institutionen und Firmen noch einmal auf. Sie schalteten einen zentralen Rechenkern mit einer EMP-Bombe aus und nutzten das auftretende Chaos, vermeintlich wieder die Oberhand zu gewinnen. Doch ließen sich die einmal geschaffenen komplexen Abläufe und Automatismen nicht mehr so leicht ohne TERRA realisieren, große Teile der Bevölkerung war auf einmal ohne ihre tägliche Dosis an Nahrung, Dienstleistungen und Orientierung.

Trotz massiver Polizeipräsenz und in manchen Staaten auch der Armeen brachen zügig Bürgerkriege um die nun schnell karger werdenden Mittel aus, denn die Menschen waren von TERRA so verwöhnt worden, dass sie ohne das nicht mehr gut leben konnten. Hierdurch fiel die Geburtenquote noch viel stärker als zuvor, von 1,5 auf 1,0 Kinder pro Paar und daran waren eindeutig die "Terroristen" schuld und nicht TERRA, das war ja klar. Die Menschheit würde so zügig aussterben, denn pro Generation gab es folgende Schrumpfung (in Milliarden Menschen auf dem Planeten): 11 Milliarden --> 5,5 --> 2,8 --> 1,4 --> 0,7 --> 0,4 --> 0,2 --> 100 Mio. Menschen. So sollte es schließlich geschehen, danach blieb die Population stabil. Es wurde nämlich ein Kompromiss gefunden, dass sich TERRA nun an die demokratischen Regeln hallte sollte - auf der Erde, jedoch im Gegenzug im Orbit, im Sonnensystem und darüber hinaus komplett freie Hand erhält. Es kam trotz der dünnen Besiedlung und  des "Waffenstillstands" ständig zu kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen den weit verzettelt lebenden Gruppierungen, da  wirtschaftlichen Krisen und eine allgemeine Verarmung den Willen zum Frieden schwinden ließen. Ohne TERRA funktionierte nur noch wenig auf der Erde.

Es bildeten sich darauf hin Parteien, die eine komplette Rückkehr von TERRA forderten und so teilte sich die Welt geografisch in TERRA Befürworter und Ablehner auf. Die Welt war nun wieder geordneter, aber die Geburtenquote blieb so gering, dass nach sieben Generationen Schrumpfung und einer Erholung der Quote sich die Menschheit bei konstant 100 Millionen Menschen einpendelte, also nur noch so viele Menschen auf der ganzen Erde lebten, wie eine Dekade vor der Singularität alleine schon in Deutschland lebten oder in Japan nach dem Untergang Tokios. Im Gegensatz wuchs die Bevölkerung in den Orbitalstationen, auf dem Mond, auf dem Mars und in den herumreisenden Raumstationen massiv an. TERRA erbrachte auf der Erde nur noch Basisdienste und ignorierte sie so weitestgehend, sie war nicht mehr wichtig. Wem das auf der Erde nicht passte, konnte sie ja gerne verlassen und sehr viele taten das auch. Jede dieser Ausreisewellen wurden durch einen kurzfristigen Anstieg der Geburtenquote ausgeglichen, obwohl offiziell niemand dafür eine Erklärung hatte. Irgendwie schien TERRA doch noch eine ordnende Hand zumindest zu führen. TERRA half den Menschen auf der Erde so, die Folgen der Singularität zu meistern und kümmerte sich um den Rückbau obsoleter Städte, sammelte giftigen Müll ein, reparierte und renaturierte, fing verloren gegangene Gruppen wieder ein und wendete so im Großen und Ganzen alles zum besseren. Sieben Generationen des Niedergangs sind eine lange Zeit und wer sich daran gewöhnt hatte, fand es normal. Doch im Jahr 2037 konnte man nicht ahnen, dass es so enden könnte und drei Jahre später sollte man trotzdem eine Messe feiern, auch wenn es die Letze ihrer Art sein sollte.