Pablo und Lucius


„Pablo?“ „Lucius, ich bin bei Dir !“ Ich fühlte seine Hand nun in meiner Hand. Sie war warm und fest und ich spürte den Puls schlagen in der stärksten Ader. Ich wusste, dass ich ihn aus einer Erinnerung an einen Schulfreund erschaffen hatte, er hätte auch ein Menschenjäger werden können aus dem gleichen biologischen Substrat, aber er war nun ein Freund. Mein einziger Freund, der noch lebte, und vor allem, der bei mir war. Ich versuchte meine Lippen zu befeuchten, aber es ging nicht. Pablo tauchte seine Finger in eine Trinkschale und befeuchtete meine Lippen. Er tat das so vorsichtig wie mich noch kein Mensch behandelt hatte. Die gleichen Hände würden ein Kind erwürgen, einen Alten zu Tode prügeln oder ein Tier quälen, wenn es so befohlen würde. Er schaute mir in die Augen und er sah und verstand, dass ich das dachte, wusste, darunter leiden musste. Er hörte auf. Er atmete tief und er seufzte. „Danke.“ „…“ „Ich kann nicht anders, als daran denken.“ „…“ „Ich bin froh, dass Du bei mir bist. Verlass‘ mich nicht.“ „Ich bleibe bei Dir. Solange Du willst. Das ist meine Aufgabe und mein Leben.“ „Mir ist kalt. Magst du zu mir kommen unter die Decke ? Wir haben uns als Kinder gegenseitig gewärmt und ich weiß, von damals, als Du mir die Hand auf die Schulter gelegt hast, dass Du Wärme abgibst.“ Pablo kroch unter die Decke und wärmte Lucius so gut es ging. Die Behandlung hatte ihn sehr geschwächt und nach aller Wahrscheinlichkeit, würde er sehr bald sterben. Sein Körper hatte sich zulange von Stoffen ernährt, die es hier unten nicht gab, gegen sie gekämpft und Erreger aufgesogen, die eine Symbiose mit ihm eingegangen waren.